Ein Werkzeugkoffer für die Technikkommunikation

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Die Teilnehmenden bekommen eine Führung durch das Deutsche Museum – Veranstaltungsort der Lernwerkstatt. Foto: Floriana Raffauf/WiD

 

Wie kommuniziere ich meine Forschung zu neuen Technologien? Das wollten 18 Nachwuchsforschende herausfinden und nahmen Ende Juni an der Lernwerkstatt Technikkommunikation teil.

Es ist 12.30 Uhr, die Temperatur beträgt bereits 34 Grad. Einige Stockwerke unter mir befindet sich das Anschauungsbergwerk des Deutschen Museums in München, das ich mir angenehm kühl vorstelle.

Zusammen mit 18 Nachwuchsforschenden bin ich heute im Kerschensteiner Kolleg, mittendrin im Deutschen Museum. Hier findet in den kommenden drei Tagen die Lernwerkstatt Technikkommunikation statt, die in Kooperation von Wissenschaft im Dialog und acatech veranstaltet wird. Hier werden Tipps und Tricks geboten, die in jeden Werkzeugkoffer für Technikkommunikation gehören. Die Teilnehmenden beschäftigen Fragen wie: Wie mache ich mein Thema für die Öffentlichkeit verständlich? Welche Formate der Wissenschaftskommunikation bieten sich für welches Thema an? Wie muss ich vorgehen, damit die Presse über meine Forschungsergebnisse berichtet?

Viele haben bereits konkrete Themen im Gepäck – Forschungsprojekte, die sie kommunizieren möchten: Diabetesprävention zum Beispiel, oder Robotereinsatz in der Pflege. Auch Themen wie die Gestaltung der Mobilitätswende oder ein konstruktiver Dialog über Impfungen und Tierversuche sind vertreten.

Zehn Referentinnen und Referenten werden sich diesen Themen und Fragen widmen. Sie kommen aus verschiedenen Bereichen der Wissenschaftskommunikation, aus der Hochschulkommunikation, dem Wissenschaftsjournalismus und aus der Forschung und werden ihre Erfahrungen teilen, von Kommunikationskrisen berichten und Praxistipps geben.

Den Anfang macht Elisabeth Hoffmann, Pressesprecherin der TU Braunschweig. Es geht gleich zur Sache – mit der Krisenkommunikation. Die 1,60 Meter hohe Experimentalrakete einer studentischen Arbeitsgemeinschaft war aus ungeklärter Ursache in ein Wohnhaus gestürzt. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Die TU Braunschweig reagierte schnell mit Statements an die Öffentlichkeit. Nur mit den Betroffenen hat sie zunächst nicht kommuniziert. Hoffmanns Lektion aus dem Vorfall: Empathie nicht vergessen! Wenn Emotionen im Spiel sind, reichen gute Argumente für die Forschung nicht immer aus.

Ortwin Renn, geschäftsführender wissenschaftlicher Direktor des IASS Potsdam, schließt sich thematisch an: Technikkommunikation ist das A und O für die gesellschaftliche Akzeptanz neuer Technologien. Die lässt sich aber nicht immer durch reine Faktenvermittlung erreichen. Renns Tipp: Dialogformate einsetzen und die Menschen zur aktiven Beteiligung motivieren.

Um Dialog geht es auch bei Rebecca Winkels, Projektleiterin bei Wissenschaft im Dialog, und ihrem Input zu Social Media. Hier wird getwittert, was das Zeug hält – und zwar analog, mit Stift und Papier! Anschließend wird geliked, geteilt und kommentiert. Mal wird befürwortet, mal im destruktiven Stil von Onlinetrollen kontra gegeben – ausschließlich zu Bildungszwecken, versteht sich. Gemeinsam erarbeiten wir Strategien, um auf die Kritik einzugehen, die mal mehr und mal weniger faktenbasiert ist. „Social Media, muss das wirklich sein?“, möchte eine Teilnehmerin wissen. Klar, findet Winkels, Wissenschaftskommunikation sollte da stattfinden, wo die Leute sind. Und ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens findet mittlerweile eben online statt.

Eine weitere Frage, die viele beschäftigt: Was können Forschende tun, um Medien auf ihre Forschung aufmerksam zu machen? Visualisierungen sind immer ein toller Eyecatcher, rät Sebastian Herrmann von der Süddeutschen Zeitung: „Macht Fotos von eurer Forschung und zeigt sie uns.“ Und auch Herrmann kennt die Schwierigkeit, vor der Kommunikatorinnen und Kommunikatoren häufig stehen: Wie weit muss ich ein Thema herunterbrechen, damit es verständlich wird? Wie weit kann ich vereinfachen und gleichzeitig wissenschaftlich bleiben? Sein Tipp: „Macht nicht den Fehler, das Publikum zu unterschätzen.“

Das Fazit nach drei Tagen: Wir haben Praxiseinblicke erhalten, Formate der Technikkommunikation kennengelernt und Kommunikationsstrategien für unsere Projekte entwickelt. Die Temperatur beträgt auch jetzt über 30 Grad. Zeit für das Bergwerk!